Hesselbergkirchentag

Fragestunde beim freundlichen Landesbischof

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm beantwortet auf dem Hesselberg die Fragen des Publikums.

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm beantwortet auf dem Hesselberg die Fragen des Publikums.

Bild: Hartmut Assel


Seit Heinrich Bedford-Strohm Landesbischof ist, gehört sie zum Kirchentag auf dem Hesselberg wie der Freiluft-Gottesdienst: die Fragestunde in der Mittagspause. Die Fragen heuer waren teils aggressiv - der Bischof aber immer gelassen und freundlich.

Christoph Seyler, der Leiter des Evangelischen Bildungszentrums (EBZ) auf dem Hesselberg, ist beeindruckt: "Wie machen und schaffen sie das eigentlich alles?" Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm lächelt. Klar, er habe viele Termine, viele Aufgaben, wenig Freizeit, sagt der Bischof, der auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Das empfinde er aber "keineswegs als ermüdend, mich inspiriert das". Dass das nicht einfach so dahingesagt ist, kann man seit vielen Jahren schon am Pfingstmontag auf dem Hesselberg erleben. Dann, wenn er sich beim Bayerischen Evangelischen Kirchentag den Fragen der Besucher stellt.

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Die Fragen haben es teilweise in sich. Nicht, dass die Themen unbedingt neu wären oder Bedford-Strohm sich nicht schon zigmal dazu geäußert hätte - dennoch arbeitet er alles geduldig ab. Auch wenn die Fragen in so manchem Fall eher wie ein Vorwurf oder eine Anklage daherkommen. Etwa, als es um die messianischen Juden geht. Warum die evangelische Kirche diese vom Kirchentag ausschließe, will ein Besucher wissen. "Der Kirchentag wird nicht von der EKD veranstaltet", sagt Bedford-Strohm. Er erläutert freundlich, weshalb vor allem die Vertreter des Judentums eher allergisch auf eine Einladung oder Zulassung reagieren würden.

Weitere Themen sind Luthers Antijudaismus, die wenigen engagierten Jugendlichen in den Kirchengemeinden oder Kritik an der im Vergleich zu den Freikirchen starren Liturgie der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Auf alles antwortet Bedford-Strohm geduldig, freundlich, wenn auch sicher nicht immer zur Zufriedenheit der Fragesteller. Schließlich ist auch der Besuch des EKD-Chefs auf dem Tempelberg in Jerusalem ein Thema - und weshalb Bedford-Strohm dort sein Amtskreuz abgenommen habe. Der Landesbischof hat dazu zwar schon mehrfach klar Stellung bezogen, auf dem Kirchentag tut er es dann eben noch einmal.

Am Vormittag hatten mehr als 10.000 Besucher am Festgottesdienst zum Auftakt des 66. Kirchentages auf dem Hesselberg teilgenommen. Bei schwül-warmen Frühsommerwetter gestand Bedford-Strohm, dass er jedes Jahr "so gerne" auf den höchsten Berg Mittelfrankens komme, weil dort die Dichte "alltäglicher Priesterinnen und Priester" besonders hoch sei. Als Beispiel nannte er die Helferin, die für Blumenschmuck in der Kirche sorge. Er nannte auch die Chöre sowie die Kirchenmusiker in den einzelnen Gemeinden, "die uns die Schönheit Gottes hören lassen". "Sie tragen unsere Kirche", erläuterte der Landesbischof.

Manchmal geschieht Wesentliches im Kleinen

In der Kirche stecke trotz so mancher medialer Verfallsdiagnose viel Kraft, sagte Bedford-Strohm. Es tue deswegen gut, "immer wieder mal sinnlich zu erfahren, wie viele wir sind", sagte er. Die großen Zahlen - wie die 140.000 Menschen beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin oder auch die 120.000 Menschen auf der Festwiese in Wittenberg erst vor einigen Tagen - seien es aber nicht notwendigerweise, "die für geistliche Kraft bürgen". Manchmal geschehe Wesentliches im Kleinen: Dass Kirche auch mit kleinen Zahlen Kraft entwickeln könne, zeige die Kirche in Mecklenburg, eine Partnerkirche der bayerischen Landeskirche.

In seiner Predigt verwies Bedford-Strohm mit Blick auf den Predigttext (Samuel 3,1-10) auf die Bedeutung von Ruhephasen. Es brauche das Innehalten, die Unterbrechung, das Kraftschöpfen, um sich dann wieder engagieren zu können - so wie Samuel, der sich im Tempel hingelegt hatte, ehe er Gott dort begegnete. "Ich weiß, ich bin jetzt vielleicht nicht der ideale Kandidat, um anderen Ruhe zu empfehlen", sagte er selbstkritisch. Er nehme dieses Detail im Predigttext aber "umso mehr" wahr. Er freue sich nun auf einige Tage Urlaub "an einem Ort zwischen Pferden, Schafen und Schweinen, an dem meine Seele Ruhe findet".


08.06.2017 / Daniel Staffen-Quandt (epd)