Augsburg

Augsburger Friedenspreis für Marx und Bedford-Strohm

Preisträger Kardinal Reinhard Marx und Landesbischof Heinrich Bedford Strohm bei der Verleihung des Augsburger Friedenspreises 2020

Oberbürgermeisterin Eva Weber über die Preisträger: "Sie konzentrieren sich nicht auf das, was trennt, sondern auf das, was verbindet."

Bild: Ruth Plössel

Kardinal Reinhard Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm haben am Samstag bei einem Festakt im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses den Augsburger Friedenspreis 2020 entgegengenommen.

Kardinal Reinhard Max, Erzbischof von München und Freising, und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, wurden damit für ihre herausragenden Verdienste um eine friedliche Entwicklung der Ökumene als Beitrag zum Frieden der Religionen gewürdigt. Bundespräsident a.D. Joachim Gauck bezeichnete sie in seiner Laudatio als „Vorbilder ökumenischer Verständigung“.

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Mit seinen Dankesworten bekräftigte Kardinal Marx, die Voraussetzung für Ökumene sei „der Wille, die Einheit höher zu stellen als die Zerrissenheit“. Eine Grundvoraussetzung für gesellschaftliches Miteinander gelte ebenso für die Kirchen: „Ohne Wohlwollen, ohne Freundschaft gibt es keinen gemeinsamen Weg“. Papst Franziskus habe sich in  seiner jüngsten Enzyklika „Fratelli tutti“ ausführlich dem Wesen des Dialogs gewidmet, der auch Basis für die Ökumene sei. Dieser bedeute laut Marx „eben nicht, man einigt sich auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner“, sondern verlange, „dass wir – vom anderen her denkend – miteinander lernen und verändert aus dem Dialog hervorgehen“. So dürfe nicht die Frage im Zentrum stehen „wer hat sich durchgesetzt, sondern was hat sich am Ende durchgesetzt?“. Das erklärte Ziel der Ökumene, die „sichtbare Einheit in versöhnter Verschiedenheit“ könne deshalb nicht nur im Erarbeiten komplexer theologische Texte bestehen: „Ohne Leben, ohne Erfahrung, ohne Gebet, ohne existenzielle Betroffenheit wird das keine Frucht bringen.“ Theologie, Praxis und Liturgie seien drei gleichsam wichtige Wege der Ökumene.

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm im Goldenen Saal in Augsburg,© Ruth Plössel

Bild: Ruth Plössel

Der Preis ist eine Ermutigung, den Weg der Ökumene weiterzugehen.

Augsburger Friedenspreis für das ökumenische Engagement der Kirchen, verliehen am 10.Oktober 2020.

Der bayerische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm betonte in seiner Dankesrede, dass die Religionen, insbesondere die  „christliche Religion in der ersten Reihe stehen müssen, wenn es um das Engagement für den Frieden geht“. Darum freue er sich, dass der Preis Kardinal Marx und ihm gemeinsam verliehen werde. Sie beide verbinde die Überzeugung, dass die Kirche nur dann ihren Auftrag ernst nimmt, wenn sie den ökumenischen Weg geht. Darum habe man das Reformationsjubiläum 2017 als gemeinsames Christusfest gefeiert. Christus zu bekennen bedeute, seine radikale Liebe zu allen Menschen zu bezeugen, so der Landesbischof. Für Respektlosigkeit und „Intoleranz kann es keine Toleranz geben“. Aufgabe der Kirche sei es, in der Öffentlichkeit die Stimme des christlichen Glaubens in der Öffentlichkeit plausibel hörbar zu machen, nicht mit „abstrakten philosophischen Prinzipien, sondern mit „Geschichten, durch berührende Worte und Narrative des Herzens“.

Die Preisgelder in Höhe von je 12.500 Euro, insgesamt also 25.000 Euro, die mit dem Augsburger Friedenspreis verbunden sind, spenden Marx und Bedford-Strohm zugunsten der Obdachlosen- und Altenhilfe der deutschen Gemeinschaft Sant‘ Egidio e.V. Die Gemeinschaft Sant’ Egidio ist eine 1968 in Rom gegründete und heute in mehr als 70 Länder verbreitete christliche Laienbewegung, die sich der Weitergabe des Evangeliums, dem ökumenischen und interreligiösen Dialog sowie dem Beistand für die Armen, Ausgegrenzten und Hilfsbedürftigen verschrieben hat.

 


11.10.2020 / ELKB