Pfingstpredigt des Landesbischofs

Ein Geist der Nachdenklichkeit

Windrad in Bewegung

Er hoffe, dass Gottes Geist Kraft zu einem Neuanfang geben werde, betonte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in seiner Pfingstpredigt.

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Die Pandemie habe zu einer "neuen Nachdenklichkeit" geführt, erklärte Landesbisschof Heinrich Bedford-Strohm zu Pfingsten. Er wünsche sich, dass der Pfingstgeist alle wieder neu zusammenführe.

„Für mich ist der Pfingstgeist in diesem Jahr kein Geist enthusiastischer religiöser Erfahrungen, sondern ein Geist der Nachdenklichkeit, ein Geist des Trostes und auch ein Geist der Zuversicht“ - erklärte Heinrich Bedford-Strohm in seiner Pfingstpredigt in der Münchner St. Matthäuskirche.

Die Pandemie habe uns schmerzlich unsere Grenzen gezeigt, so der Landesbischof. Diese Erfahrung habe unser Lebensgefühl erschüttert, unser ganzes Weltverständnis in Frage gestellt. Darum könne eine neue Nachdenklichkeit der erste Schritt sein „zu einem guten Leben in den Grenzen, die Gott uns aus Liebe gegeben hat“.

Für Bedford-Strohm erhoffen jetzt Menschen Orientierung von den „alten Worten der Bibel, die schon so viele Menschen durch schwere Zeiten getragen“ hätten.

Die biblische Erzählung vom Turmbau zu Babel erinnere darin, so der Landesbischof, dass Gott den Menschen den Auftrag und die Fähigkeit gegeben habe, die Welt zu gestalten, Zivilisationen aufzubauen, und Kulturen zu entwickeln. Die Entwicklung der Naturwissenschaften, etwa der Medizin, sei ein Segen, der vielen Menschen das Leben gerettet habe. Doch der Mensch sei nicht allmächtig, sondern müsse auch seine Grenzen anerkennen. „Die Krone der Schöpfung ist nicht der Mensch, sondern der Sabbat. Am 7. Tag ruhte Gott“.

Die Endlichkeit akzeptieren

Nötig sei deshalb die Einsicht, dass wir Menschen unsere Endlichkeit akzeptierten, betonte Bedford-Strohm. Es gelte, die „Endlichkeit anzunehmen, anstatt wissenschaftlichen Heilslehren aus der digitalen Welt des Silikon Valley auf den Leim zu gehen, die des Menschen Unsterblichkeit versprechen“, oder die Möglichkeiten moderner Reproduktionsmedizin dazu zu missbrauchen, sich nun selbst zum Schöpfer aufzuschwingen und den Menschen zum eigenen Bilde zu erschaffen. 

„Wir werden anders aus dieser Pandemie herausgehen als wir hineingegangen sind“ – so der Landesbischof. „Und ich hoffe, dass Gottes Geist, den wir an Pfingsten erfahren, uns Kraft zu einem Neuanfang gibt – einem Neuanfang, der geprägt ist von Achtsamkeit füreinander, von Dankbarkeit für die kleinen Dinge des Alltags, die wir so lange für viel zu selbstverständlich genommen haben, und auch von Solidarität mit denen, die von der Pandemie besonders schwer getroffen worden sind. Ich wünsche mir, dass der Pfingstgeist uns alle neu zusammenführt.“


24.05.2021 / Elkb/Minkus